Über uns

Warum das Ganze?

Unser Ziel ist es zu verdeutlichen, dass auch in einer mittelgroßen westdeutschen Stadt bundesweite Entwicklungen sichtbar sind.
Wir wollen aufzeigen, dass rechte Gewalt nicht nur ein Problem in irgendwelchen entfernten (ost)deutschen Regionen ist.
Ulm ist zwar nicht Chemnitz, Halle oder Freital.
Aber auch hier gibt es reale Bedrohungen für alle Menschen, die nicht in extrem rechte Weltbilder passen – besonders für Menschen, die nicht weiß sind.

Es gibt jährlich rassistisch motivierte und z.T. bewaffnete Angriffe im Raum Ulm.

2018 gab es zwei versuchte Morde durch Brandstiftung in Geislingen und Bad Überkingen.
2019 gab es einen rassistisch motivierten bewaffneten Angriff in der Ulmer Innenstadt und einen antiziganistischen Mordversuch auf eine Famile mit Romno-Hintergrund nahe Erbach.

Das Thema extrem rechte Ideologien und Gewalt wird in der Stadtgesellschaft kaum wahrgenommen oder ernsthaft behandelt. Ein Mangel an aktuellem Wissen über extrem rechte Strömungen ist in öffentlichen Diskussionen und lokalen Zeitungsberichten immer wieder antreffbar. Es gibt keine spezialisierten Stellen in Ulm oder dem Alb-Donau-Kreis, die Beratungen für Betroffene oder Präventionsangebote machen.

Dabei gäbe es Vieles über das gesprochen werden könnte:

  • neuere Entwicklungen wie der sogenannten Neuen Rechten, z.B. der Identitären Bewegung und der AfD
  • den seit den neunziger Jahren immer wieder auffallenden gewälttätigen Hooligans des SSV 1846 Ulm, zu dennen einige extrem Rechte Personen gehören
  • Ulm als Bundeswehrstützpunkt und einer bis 2019 öffentlich aktiven Uniter-Ortsgruppe

Sogar die polizeilichen Zahlen zu „Politisch Motivierter Kriminalität Rechts“ sprechen eine deutliche Sprache. Von 2017 zu 2018 nahm die Anzahl rechter Straftaten in Ulm und Umgebung um 25% auf 121 Fälle zu. Von 2018 auf 2019 gab es wiederum eine Zunahme um 17% auf 142 rechte Straftaten.

Beratungsstellen für Betroffene von rechter Gewalt gehen von vielen weiteren nicht erfassten Taten aus. Einige werden nicht angezeigt, andere werden von polizeilicher Seite aus nicht als extrem rechte Gewalt eingeordnet. Diese Zahlen alleine reichen aber nicht um das Spektrum zu erfassen, denn es gibt einen Zusammenhang zwischen Worten und Taten und deswegen müssen die gesamten Aktivitäten von rechten Gruppen und Parteien betrachtet werden.

Wie arbeitet ihr?

Wir dokumentieren Vorfälle oder Kundgebungen und sammeln Informationen über rechte Aktivitäten. Viele dieser Informationen basieren auf öffentlichen Quellen, wie der Arbeit anderer Recherchestrukturen, Presseberichten, Anfragen im Landtag, öffentlichen Datenbanken und Gesprächen mit Zeug:innen.

Unser Anspruch ist es, faktisch zu bleiben, nichts zu beschönigen oder zu dramatisieren und eigene Meinungen klar als solche zu kennzeichnen.

– Januar 2021